Sagen, Märchen und
alte Geschichten aus Miesenbach
Um unheimliche Orte, unverstandene Orts-, Berg- und Flurnamen rankt die
Fantasie des Volkes ihre Sagen und Märchen, von denen die noch lebenden,
nachfolgend zum Teil von Schülern der 4.Klasse gesammelt und von VDir. Erhard
Mariacher erstmals aufgeschrieben, wiedergegeben werden.
Der heilige Waldhauser
Auf dem 1256 m hohen Presenberg,nördlich des Dorfes Miesenbach,
liegt, von Wäldern umsäumt, eine einfache, kleine Kapelle. Unter
dieser soll ein Heiliger, namens Waldhauser (Baldhauser), begraben sein.
Dieser war zu seinen Lebzeiten ein rechter Sünder, mordete und stahl,
wo sich ihm Gelegenheit bot.
Jedes Mal, wenn er einen Menschen vom Leben zum Tode befördert
hatte, schnitt er in seinen derben Wanderstock eine Kerbe. Im Laufe der
Jahre füllte sich der Stock immer mehr mit Kerben. Das brachte den
Raubmörder Waldhauser zum Nachdenken. Er erkannte plötzlich das
Verabscheuungswürdige seiner bisherigen Taten, bereute tief und beschloss,
ein besserer Mensch zu werden.
Da ihm die Schwere seiner Sünden bewusst war, dachte er, dass
nur der Papst in Rom ihm diese vergeben könnte. Und so machte er sich
auf und wanderte in die ewige Stadt, um Vergebung seiner Sünden zu
erlangen. Eines Tages stand nun Waldhauser vor dem obersten Hirten der
Christenheit und beichtete ihm seine Schandtaten. Entsetzt schüttelte
schließlich der Heilige Vater den Kopf und sagte zum reuigen Sünder:
"So wenig dieser mit Kerben bedeckte Stock Rosen treiben wird,
so wenig wird dir Gott deine Sünden vergeben!"
Daraufhin nahm er den Stock und steckte ihn in die Erde seines Gartens.
Waldhauser aber, als er des Papstes Worte hörte, war tief betrübt
und verzweifelt und eilte schweren Herzens aus der ewigen Stadt in Richtung
Heimat.
Als der Heilige Vater nun eines Morgens zufällig in seinen Garten
blickte, da fiel ihm plötzlich ein über und über blühender
Stock auf. Rasch liess er diesen holen und erkannte den Stock Waldhausers,
der mit den schönsten Rosen bedeckt war. Tief betroffen sandte er
in alle Himmelsrichtungen Boten aus, um Waldhauser von diesem Blumenwunder
und der damit verbundenen Vergebung seiner Sünden zu berichten. Doch
die Diener konnten Waldhauser nicht finden. Dieser war inzwischen wieder
auf den Presenberg zurückgekehrt und änderte sein sündhaftes
Leben von Grund auf.
Er lebte zurückgezogen und in Frieden mit den Menschen. Er half
ihnen und ihrem Vieh bei Krankheiten, tat viel Gutes und wurde bald als
heilig verehrt. Nach seinem Tod wurde er auf der Wildwiese, dem Teil des
Presenberges begraben, auf dem er gelebt hatte. Über seinem Grab wurde
Jahre später eine Kapelle errichtet, die heutige Wildwiesenkapelle.
Die Bevölkerung von Miesenbach und den Nachbargemeinden verehrt ihn
noch heute als Vieh- und Wetterpatron.
Am Dreifaltigkeitssonntag werden Wallfahrten durchgeführt und
dabei wird das "Baldhauser-Lied" vor allem von den Pongrazener Wallfahrern,
gesungen. Die 1. von 10 Strophen lautet:
"Bekehrt euch, ihr Christen, denn kurz ist die Zeit!
Wollt selig ihr sterben, so seid stets bereit!
Zu Gott euch bekehret, Baldhauser verehret,
erbittet bei Gott um glückseligen Tod!"
In der Wildwiesenkapelle hat die Bevölkerung zum Dank für
die Befreiung von allerlei Unheil Votivbilder aufgehängt (Hl. Baldhauser,
Wilder Ochse u. v.a.) Ein alter Volksglaube sagt, dass ledige Mädchen
einen Mann bekommen, wenn sie dreimal ohne zu stolpern oder zu stürzen
um die Wildwiesenkapelle gehen. Unter der Kapelle soll sich ein Kellerraum
befinden, in dem die letzte Christenmesse gelesen werden wird.
Die Türken in Miesenbach
(Die Sage von der Brunnkapelle)
Auf einem sumpfigem Hang südlich des Dorfes Miesenbach steht eine
kleine, gemauerte Kapelle. Über diesen barocken Bau mit gotischer
Madonna mit dem Jesuskind berichtet die Sage:
Als die Türken wieder einmal in unsere Heimat eingedrungen waren
und durch das Raabtal in Richtung Wien zogen, da kam ein kleiner Trupp,
der Nahrung für die tausenden Soldaten beschaffen sollte, in die Gegend
von Miesenbach. Die Bewohner, vorher gewarnt durch die Kreitfeuer auf den
umliegenden Bergen, hatten ihr Vieh und ihre Habe in den Wäldern versteckt,
sich in der Kirche versammelt und beteten um die Hilfe Gottes.
Als die Türkenhorde am Horizont auftauchte, meldete der Küster,
der am Kirchturm Ausschau gehalten hatte, dies an die mit Inbrunst betenden
Miesenbacher in der Kirche. Die türkischen Reiter wollten nun mordend
und brennend in Miesenbach einfallen. Dabei gerieten sie in den Sumpf südlich
des Ortes. Sie blieben mit ihren Pferden darin stecken und mussten elendiglich
zugrunde gehen.
Der Küster am Kirchturm hatte den Vorfall beobachtet, meldete
ihn den betenden Miesenbachern in der Kirche. Rasch
suchten diese ihre Sensen, Sicheln, Gabeln und Dreschflegel zusammen, stürmten
voller Wut zum Sumpf und machten den darin steckenden, um ihr Leben ringenden
Türken, den Garaus.
Zum Dank für die Errettung vor den Türken ließ der Besitzer
Stoppacher die Brunnkapelle errichten. Auf der Predella ist die (nicht
mehr im Original) Inschrift angebracht:
"Dieser Altar ist vom ehrsamen und bescheidenen Rupen Fästen
am Stopach in seiner Sterbstund aus Geschäft sowol auch hernach von
seinem tödlichen Abgang ganz von seinen Erben völlig erhebet
und aufgesetzt worden.1665"
Der frühbarocke Hochaltar, gekrönt von der Figur des Hl.
Florian, zeigt in der Mitte die Statue der Hl. Maria mit Kind, links den
Hl. Sebastian, rechts den Hl. Rochus. Noch heute finden Bittgänge
zur Bunnkapelle, seit 1905 wieder mit Messlizenz, statt. Unter der Kapelle
entspringt eine Quelle, deren Wasser Heilkraft bei Augenleiden aber auch
Gelähmten Hilfe bringen soll. Lange Jahre sind noch Krücken eines
Geheilten in der Kapelle zu besichtigen gewesen
Der wilde Ochse auf der Wildwiese
Vor langer Zeit hauste in der Gegend des Presenberges, auf der Wildwiese,
ein wilder Ochse. Dieser verwüstete die Felder und versetzte die Bauern
der Umgebung in Angst und Schrecken. Eines Tages nahmen sich zwei Holzknechte
ein Herz und machten sich auf, das Untier zu töten. Sie beobachteten
einige Zeit hindurch den Weg des Tieres, den es regelmäßig zurücklegte.
Dann wählten sie einen mittelstarken Baum aus, an dem der Ochse vorüberkommen
würde. Diesen schnitten sie mit einer Säge so weit an, dass er
gerade noch stehen blieb. Dann versteckten sie sich und warteten auf den
Ochsen. Als sie ihn schon von weitem heranschnauben hörten, verließ
sie ihr Mut und sie bereuten ihr Vorhaben. Doch zum Flüchten war es
zu spät. So nahmen sie allen Mut zusammen und stemmten sich, als der
wilde Ochse am angeschnittenen Baum vorübertrottete, mit aller Kraft
dagegen und stürzten ihn auf das Untier. Und sie hatten Glück.
Gerade als der Ochse die beiden Holzknechte bemerkte, traf ihn der Baum
und brach ihm das Rückgrat. Die Freude war groß. Und die Bevölkerung
feierte ein Fest. Zum Dank für die Befreiung von dieser großen Plage
hängte einer der Holzknechte, vlg. Poin, ein Votivbild in die
Wildwiesenkapelle (1867), wo es heute noch zu besichtigen ist.
Die Gruber Ochsen
Vor langer Zeit lebte in der Hinterleiten in der Gemeinde Weiglhof,
heute Miesenbach, ein Bauer - der Gruber. Er war ein blitzgescheiter Mann
und ein seelensguter Mensch. Er verstand sich auf Heilung des Viehs wie
auch der Menschen, war angesehen bei seinen Nachbarn und genoss das Vertrauen
der Grundherrschaft Oberkapfenberg. Er hatte aber ein großes Laster -
den Jähzorn. Und wenn ihm im Nachhinein auch alles wieder leid tat,
so war durch seine Unbeherrschtheit schon oft Unheil geschehen.
Eines Morgens, es war ein schöner, sonniger Herbsttag, da spannte
der Gruber sein Ochsenpaar ein, fuhr aufs Feld und begann zu pflügen. Anfangs
gingen die beiden Tiere recht zügig im Joch und bald war der halbe
Acker gepflügt. Doch dann, als wäre es verhext, blieb die Pflugschar
immer öfter an großen Steinbrocken hängen, sodass ldie braven
Zugtiere nicht mehr weiterkonnten und notgedrungen stehen blieben. Langsam
begann eine Ader an des Grubers Schläfe zu pochen. Als schließlich
der Pflug neuerlich stecken blieb und das Ochsengespann anhielt, war es
wieder einmal soweit.
Der Gruber brach in seinen gefürchteten Jähzorn aus. Er fluchte
und schimpfte, riss sich den Hut vom Kopf und stampfte darauf herum und
schrie die Verwünschung:
"Meine Ochsen sollen auf der Stelle zu Stein werden, so wahr ich
der Gruber bin!"
Damit war sein Jähzorn verraucht. Er hob seinen zerbeulten Hut
auf und trieb seine Ochsen wieder an. Doch als diese wieder nicht anzogen,
übermannte ihn abermals der Zorn. Dieser jedoch schlug rasch in Verwunderung
und Schrecken um als er sah, dass an Stelle der beiden Tiere zwei riesige
Steinbrocken im Geschirr standen. Nun sah er, dass
sein Jähzorn fürchterlich bestraft worden war.
Schnell lief er nach Hause, um mit einem anderen Ochsenpaar die beiden
versteinerten Ochsen aus dem Acker zu schleppen und sie im nahen Wald zu verstecken.
Dann rief er seine Knechte und Mägde zusammen und hieß sie, jeden
Steinbrocken bis zum kleinsten Steinchen aus seinem Acker zu werfen. Dies
geschah und mit der Zeit geriet dieses Ereignis in Vergessenheit.
Doch als im Jahre 1994 der Gemeindepark neu gestaltet wurde, stellte
man dort das versteinerte Ochsenpaar als Denkmal an die unglückliche
Verwünschung des Gruberbauern auf und dieses wartet seither auf seine
Erlösung. Und der Kluge, der als erstes die richtigen Namen der beiden
verwunschenen Tiere dreimal laut ausruft, der hebt die Versteinerung auf
und kann die beiden Ochsen mit nach Hause führen.
Der Teufelstein zu Miesenbach
Einmal ging der alte Gruber nach dem Kunigundenkirtag gegen Mitternacht
nach Hause in die Hinterleiten. Er lachte sich ins Fäustchen, denn
er hatte beim Kartenspiel beim, "Lindenwirt" ein hübsches Sümmchen
Geld gewonnen.
"Na, warum bist du denn so vergnügt, Gruberbauer?",
sprach plötzlich eine Stimme. Erschrocken blieb der Bauer stehen und
versuchte den nächtlichen Sprecher zu erkennen. Da stand ein hagerer
Fremder in Jägertracht, eine rote Feder auf dem Hut, an eine alte
Fichte gelehnt am Wegrand. Rasch erholte sich der alte Gruber von seinem
Schrecken und der Schalk saß schon bald wieder in seinem Nacken als er
ahnte, dass er den Teufel vor sich hatte.
"Ich bin so vergnügt", sagte er, "weil mich
im Kartenspiel keiner besiegen kann, nicht einmal der Teufel."
"Mutig gesprochen!", sagte der Unbekannte. "Und wie
sieht es mit einer zünftigen Wette aus, bist du dabei auch so mutig?"
Nach kurzer Überlegung bejate der Bauer. Der Bocksfüßige schlug
ihm daraufhin vor, irgend eine Wette zu nennen, von der er meine, dass
er, der Teufel, sie nie und nimmer gewinnen könne. Würde er aber
trotzdem Wettsieger sein, würde er mit des Grubers Seele senkrecht
in die Hölle fahren. Andernfalls stünde dem Bauern ein dicker
Sack voller Goldstücke zu.
Da tat sich der Gruberbauer freilich leicht. Er dachte an seinen Kornacker,
den seine Knechte und Mägde vor einiger Zeit von sämtlichen Steinen
befreit hatten, nachdem seine Ochsen auf Grund seiner Verwünschung
in zwei riesige Steinblöcke verwandelt worden waren.
Er sagte daher zum Teufel:
"Ich wette mit dir, dass du in meinem Kornacker von jetzt an
bis zum "Engel des Herrn-Läuten" keinen einzigen Stein findest."
Über eine so leichte Wette musste der Teufel geringschätzig
lachen. Rasch begann er den ganzen Acker zu durchwühlen, aber er fand
nicht das kleinste Steinchen. Als es schon gegen Abend zuging, entschloss
sich der Teufel zu einem Schwindel. Schnell flog er auf den Teufelstein
bei Fischbach, riss ein großes Stück vom Felsen ab und flog rasch
wieder zurück nach Miesenbach, um den Riesenstein auf des Grubers
Kornacker zu werfen und so die Wette und damit die Seele zu gewinnen. Kurz
vor seinem Ziel begannen plötzlich die Glocken von St. Kunigunde zu
läuten und riefen zum "Engel des Herrn-Gebet". Voll Zorn warf
der Teufel das Felsstück mit aller Macht zur Erde.
Der alte Gruber aber fand am nächsten Tag auf seinem Acker ein
Säcklein voll mit Goldstücken, steckte es ein, lachte verschmitzt
und sagte zu niemandem ein Wort. Der Felsbrocken, genannt der
Miesenbacher
Teufelstein, liegt noch heute am Waldrand südlich des Gehöftes
des Bauern, Josef Mosbacher.
Dem Teufelstein kann nicht einmal Sprengstoff etwas anhaben. Man versuchte
ihn nämlich vor einigen Jahren vergeblich zu sprengen..
Das glühende Ross
Vor vielen Jahren stand einige hundert Meter westlich vom Bergbauern
vlg Doppelhofer, am Fuße der Wildwiese, eine kleine Keusche. Darinnen
lebten arme Leute, die nichts hatten außer einem alten Ross, das ihnen
bei der schweren Arbeit auf den kargen Feldern half. Willig und geduldig
zog es jahraus-jahrein die schweren Wagen.
Eines nachts, es war gerade Heiliger Abend, richteten sich die Keuschlerleute
zur Christmette zusammen, nahmen Laterne und Stock und machten sich auf
den Weg zur Kirche. Während der feierlichen Messfeier geschah in der
alten Bergkeusche Furchtbares. Eine Kerze in der Stube, die die Keuschlerleute
vergessen hatten zu löschen, fiel um und setzte die Vorhänge
und bald die ganze Stube und das gesamte Haus in Brand.
Das Ross im Stall spürte die Gefahr, wieherte laut und schlug
mit seinen Hufen krachend gegen die Stalltür. Doch vergebens. Das
Feuer griff rasend schnell auf den Stall über und das arme, alte Ross
kam elendiglich in den Flammen um.
Nach der Christmette sahen die Keuschlerleute, was geschehen war und
waren tief betrübt. Sie selbst kamen zwar bei mildtätigen Nachbarn
unter, mussten aber immer an ihr altes, treues Ross denken.
Mit der Zeit verblasste die Erinnerung an das furchtbare Ereignis in
der Christnacht. Als die Keuschlerleute im folgenden Jahr wieder von der
Christmette gegen Mitternacht nach Hause wanderten, hörten sie schon
von weitem ein Pferd in Todesangst wiehern und dumpfe Hufschläge gegen
Holzbohlen. Als nun die entsetzten Keuschler in die Nähe ihres ehemaligen
Anwesens kamen, sahen sie mit Grauen, wie ein Pferd mit einer glühenden
Mähne in wildem Galopp um die Brandstatt preschte. Eilends liefen
die Keuschler nach Hause und machten sich schwere Vorwürfe, dass aus
ihrer Unachtsamkeit ihr treues Ross so schrecklich umgekommen war.
Die "Brandstatt", wie die Stelle heute noch heißt, wurde später
mit großen Steinen zugeschüttet.
St.Kunigunde in Miesenbach
In der Zeit der Besiedlung der Oststeiermark kamen bayrische Bauern
auch in das Strallegger Bergland, in die Gegend des heutigen Hafenscher,
einem Teil der Gemeinde Strallegg. Sie rodeten den Urwald, bauten einfache
Hütten und machten sich daran, einen passenden Platz für eine
Kirche zu suchen.
Bald fanden sie eine ebene Stelle und machten sich mit großem Eifer
an die Arbeit, dass die Späne nur so flogen. Da bemerkte einer der
Bauern einen Vogel, der einen Span im Schnabel, davonflog. Nicht lange
darnach kam der Vogel wieder und trug abermals einen Span fort. Dies wiederholte
sich regelmäßig während der nächsten Tage. Die Bauern,
neugierig geworden, beschlossen nun dem Vogel zu folgen. Gesagt, getan.
Als das Tier wieder um einen Holzspan kam, folgten ihm einige Männer
so schnell es der dichte Urwald eben zuließ. Schließlich kamen sie auf
eine Hochfläche und sahen, wie der Vogel gerade wieder einen Span
auf einer Lichtung niederlegte. Als die Bauern neugierig näher traten
sahen sie zu ihrer Überraschung, dass der Vogel auf diesem Platz einen
ganzen Spanhaufen zusammengetragen hatte.
Das schien den Bauern ein Zeichen des Himmels zu sein und sie beschlossen
die geplante Kirche auf dem Platz des Spanhaufens zu errichten. So entstand
an diesem Ort das erste Kirchlein in Miesenbach. Später wurde die
Kirche erweitert und der Hl. Kunigunde geweiht.
Ebenfalls der Hl. Kunigunde geweiht sind die Kirchen von Wald am Schoberpass,
Mürzzuschlag, sowie die romanische Kapelle, auf der die heutige Lechkirche
in Graz steht.
Das Eichhörnchen im Wachholz
Einst lebte in Miesenbach ein armer Keuschler, Loisl mit Namen, mit
seiner Frau und den sechs Kindern. Die Zeiten waren schlecht und so hatten
die armen Leutchen oft nichts zu beißen und mussten mit knurrendem Magen
zu Bett gehen. Ab und zu, wenn der Hunger gar zu arg wurde und die Kinder
weinend um ein Stückchen Brot bettelten, schwärzte sich der Loisl
das Gesicht, schlich sich in das nahe Gehölz, und erlegte, obwohl
von der Obrigkeit strengstens untersagt, ein Stück Wildbret. Dann
kehrte für einige Zeit Überfluss in der Keusche ein. Doch der
hielt nie lange an und bald war wieder Schmalhans Küchenmeister.
Der Jagdaufseher des Grundherren war längst stutzig geworden,
denn so mancher kapitale Rehbock verschwand auf unerklärliche Weise
aus seinem Revier. Insgeheim hatte er Loisl ohnehin in Verdacht, doch hatte
er ihn noch nie auf frischer Tat ertappen können.
Dem Keuschler waren die heimlichen Blicke des Jagdaufsehers nicht verborgen
geblieben und oft beobachtete er, wie dieser nachts um seine Keusche schlich.
Loisl jedoch wurde noch vorsichtiger bei seinen verbotenen Pirschgängen.
An einem Sonntagmorgen, der Jagdaufseher hörte regelmäßig
die Frühmesse, machte sich Loisl auf, um wieder einmal
ein Stück Wild für den Kochtopf zu besorgen und die ärgste
Not zu lindern. Den Stutzen in der Hand, das Gesicht geschwärzt, schlug
er sich in die Büsche und pirschte durch das Wachholz. Aber es wollte
ihm kein Stück Wild vor die Büchse kommen. Missmutig ließ er
sich auf einem Baumstrunk nieder, um zu rasten. Von ferne hörte er
die Glocken von St. Kunigunde, die gerade die heilige Wandlung einläuteten.
Da sah er keine zehn Schritte vor sich ein grosses, rotes Eichhörnchen,
das ihn furchtlos anblickte. Loisl erstarrte auf seinem Baumstrunk.
Wenn ich schon kein Wildbret erlegen kann, so kommt mir dieses Eichhorn
gerade recht, denn für das Fell des großen Tieres werde ich beim
Pöllauer Gerber bestimmt einige Kreuzer herausschlagen, sagte Loisl
zu sich.
Fast unmerklich hob der geübte Wilderer seine Büchse, zielte
kurz und drückte ab. Aber was war das? Das Eichhorn sass noch immer
an der gleichen Stelle und starrte ihn böse an. Nochmals das Gewehr
heben, zielen und abdrücken war eins. Doch abermals gefehlt! Nun wurde
ihm unheimlich zumute. Und da! Auf einmal sprangen hinter Bäumen und
Büschen Eichhörnchen in allen Grössen hervor. Und es wurden
immer mehr und mehr. Sie sammelten sich hinter dem großen Tier und schickten
sich an, sich auf den Loisl zu stürzen.
Da packte den Frevler das Grauen. Er ergriff seinen Stutzen und stürmte
Hals über Kopf aus dem Wald, erreichte keuchend und schweißnass seine
Hütte, warf den Riegel vor und erzählte seiner entsetzten Frau
von seinem Erlebnis.
Von diesem Tage an ließ der Loisl das Wildern sein und verdingte sich
als Wegmacher. So lebte er mit seiner Familie zwar bescheiden, musste aber
nie mehr Hunger leiden.
Ein einziges Mal erzählte er, die Zunge leicht vom Wein, einer
noch lebenden Bäuerin die unheimliche Begebenheit mit dem Eichhörnchen
im Wachholz und versicherte: "Genauso is dos passiert! Sou woahr
i do sitz!"
Die Sage vom Hosenbrunn
Am Nordabhang des Zeiseleck, einen tüchtigen Steinwurf unterhalb
der Wolfgrube, liegen von Moos überwachsen, die Reste eines hölzernen
Grantls. Von diesem erzählt die Sage:
Eines Nachts ging ein Miesenbacher Bauer vom Leopoldi-Kirtag in Pöllau
über Köppelreith in Richtung Wolfgrube nach Hause. Er war vom
beschwerlichen Weg ermüdet, hatte er doch außer seinem eigenen Gewicht
auch das eines ordentlichen Rausches zu tragen. So kam er schließlich
zum Grantl und sank ermattet zu Boden, um sich am frischen Wasser zu laben.
Er wollte kurz rasten, denn sein Weg führte noch
eine gute Stunde abwärts ins Tal und ebenso lang auf der anderen Seite
wieder hinauf in Richtung Langser Höhe.
Die Müdigkeit und der Wein jedoch verlangten ihr Recht und so
schlief der späte Wanderer am Stamm einer knorrigen Fichte neben dem
Grantl ein.
Was ihn aufwachen ließ, wusste er nicht. Er war plötzlich hellwach.
Die alten Fichten um ihn herum wiegten sich knarrend im Nachtwind. Da hub
plötzlich im alten Baumriesen über dem Bauern ein unheimliches
Knarren und Knirschen an, als ob jemand mit Titanenkräften an den
Ästen zöge. Diese bogen sich, wie von Riesenhänden gezogen,
immer weiter zu ihm herunter, brachen schließlich krachend ab und deckten
den zu Tode Erschrockenen unter sich zu. Immer mehr Äste brachen ab
und fielen auf den Erstarrten. Da endlich kam der Bauer zu sich, stürzte
unter dem Reisighaufen hervor und lief, als wäre der Leibhaftige hinter
ihm her, auf und davon und blieb erst stehen, als er in seinem Hof ankam
und an der Haustür rüttelte.
Von dieser Nacht an mied der Bauer den Weg über die Wolfgrube.
Ein Nachbar, dem er von seinem Erlebnis erzählte, berichtete ihm ebenfalls
Unheimliches. So habe er einmal einen alten Mann im Grantl seine Lederhose
waschen gesehen und als er ihn ansprechen wollte und näher kam, da
fielen von den umliegenden Bäumen ebenfalls die Äste auf ihn
herab, wie beim "Grass-schnoatn."
Das Wasser des Hosenbrunns wird heute noch vom Ortbauern, dem Erzähler
dieser Sage, dessen Sohn und vom Nachbarn als Trinkwasser verwendet. Es
friert auch während des kältesten Winters nie zu.
Die weiße Frau
Oberhalb vom vlg Grabenbauer, liegt, von dichtem Wald umsäumt,
eine Wiese. Auf dieser Waldlichtung, dem Grabenbauern-Eck, so erzählen
die Alten, soll in früheren Zeiten, nachts bei Vollmond, eine weiße
Frau herumgewandelt sein. Wenn nun ein später Heimkehrer am Grabenbauern
Eck vorbeikam und die unheimliche weiße Frau ansprach, so lief diese laut
schreiend und heulend in Richtung Hinterer Weiglhofer davon und verschwand
alsbald im finsteren Wald. Dabei schienen ihre Füße den Boden kaum
zu berühren und ihr unheimliches Heulen klang noch lange durch den
nächtlich schwarzen Tann.
Auch der alte Weiglhofer ging einmal bei Vollmond spät in der
Nacht vom "Kreuzwirt" nach Hause. Er war nach einem Ochsenhandel
sitzen geblieben und so war es dunkel geworden bis er sich nach Hause auf
den Weg machte. Als er zum Grabenbauern-Eck vorbeikam, fiel sein Blick
auf eine weiße Frauengestalt, die am Waldrand stand, halb von jungen Tannen
verdeckt und ihn stumm anblickte. Das fahle Licht des Vollmondes färbte
ihr Haar silbrig. Gefangen von den großen, dunklen Augen der unheimlichen
Gestalt, wollte der alte Weiglhofer ein Gespräch beginnen und fragte,
wer sie sei und was sie um diese unchristliche Zeit hier mitten im Wald
wolle. Doch anstatt zu antworten hob die weiße Frauensgestalt mit traurigem
Blick den rechten Arm und zeigte in Richtung Floisenkogel. Darauf wurde
sie immer durchsichtiger und verschwand schließlich vor den Augen des
erschrockenen Weiglhofers ins Nichts.
Was die weiße Frau mit ihrem Hinweisen in Richtung Wildwiese anzeigen
wollte kann nur vermutet werden. Es wird aber erzählt, dass seit Errichtung
des Wetterkreuzes auf dem Floisnkogel die weiße Frau von niemandem mehr
gesehen worden ist.
Die Sage vom Wolf
Vor vielen Jahren fuhren der Rossknecht der Pöllauer Gerberei
Wolfbauer mit dem alten Ritter von der Fleischhauerei gleichen Namens auf
einem Ochsengespann nach Weiglhof (früher hieß die Gemeinde Miesenbach
Gemeinde Weiglhof), um Vieh einzukaufen und nachzufragen, ob Schweinshäute
zu haben seien. Außerdem sollte der Gerberknecht eine frische Wolfshaut
abholen. Die hatte der alte Weiglhofer einem der grauen Räuber, die
zu dieser Zeit noch die tiefen Wälder durchstreiften, abgezogen. Nun
wollte er vom Pöllauer Gerber eine schöne Stange Geldes erhandeln.
Als nun das Ochsenfuhrwerk nach langer, mühseliger Fahrt endlich
zum Weiglhof, kam, da stürzte aus dem nahen Wald ein riesiger Wolf
mit blutunterlaufenen Augen und fletschenden Fangzähnen auf die vor
Todesangst brüllenden Ochsen. Vor Raubgier fast blind, übersah
der graue Räuber jedoch das vordere Deichselstück und stieß
sich dieses tief ins weit aufgerissene Maul. Geistesgegenwärtig griff
der alte Ritter nach dem Setznagel und schlug ihn in das Loch hiefür.
Damit war das Untier gefangen und die beiden Fuhrleute machten dem Wolf
mit derben Knüppeln den Garaus.
Das faule Mädchen
Eine Frau hatte eine Tochter. Diese war für keine Arbeit zu begeistern,
lag bis in den späten Vormittag im Bett und liess ihre alte Mutter
die ganze schwere Arbeit verrichten. Zu Mittag setzte sie sich zum Essen
an den Tisch. Darnach legte sie sich wieder ins Bett, um zu rasten. Eines
Tages aber wurde es der Mutter zu dumm. Sie rief ihre Tochter, hieß sie
etwas Kleidung einpacken und brachte sie zu einer alten Frau, die tief
drinnen im Wald in einer armseligen Hütte wohnte. Die Alte war als
weise aber etwas wunderlich bekannt.
Die Mutter klagte ihr nun das Leid, das sie mit ihrer faulen Tochter
habe. Die alte Frau erklärte sich bereit, das Mädchen ein Jahr
lang bei sich zu behalten und ihm das Arbeiten beizubringen. Vom nächsten
Morgen an musste das Mädchen in aller Früh aus dem Bett, die
Tiere der Alten füttern, Wäsche waschen, die Hütte sauber
halten, Holz hacken, die Gartenarbeit und alle anderen Tätigkeiten
verrichten, die so anfielen. Anfangs fiel es ihm schwer und darum erhielt
es von der Alten fast täglich grobe Schelte und weder Lohn noch ein
lobendes Wort. Und wenn am Abend eine befohlene Arbeit nicht fertig war,
musste das Mädchen mit hungrigem Magen ins Bett.
Mit der Zeit gingen ihm die Arbeiten immer leichter von der Hand und
da bemerkte das ehemals faule Mädchen, wie sehr es seine alte Mutter
gekränkt haben musste und bemühte sich fürderhin alles zur
Zufriedenheit der alten Frau zu tun. Als das Jahr um war, war aus dem faulen
Mädchen eine fleißige junge Frau geworden. Eines Tages kam nun die
Mutter, um ihre Tochter abzuholen. Wie wunderte sie sich über die
Veränderung des Mädchens. Als es zum Abschied kam, gab die Alte
diesem eine kleine Schachtel, in der eine goldene Nähnadel war und
sagte:
"Wenn dir wieder einmal die Arbeit schwer von der Hand geht, dann
schau auf die goldene Nadel und denk an die schwere Zeit, die du bei mir
verbracht hast!"
Die braune Henne
Es war einmal eine Bäurerin. Die sagte zu ihrem Mann: "Die Hühner müssen aus der Stube. Sie machen zuviel Schmutz. Darum
wollen wir einen Hühnerstall bauen." Gesagt!
- Getan! Die beiden bauten einen schönen, neuen Hühnerstall. In
diesen Stall kamen eine schwarze, eine weiß e und eine braune Henne. Ein
Türverschluss wurde ebenfalls angebracht, damit der listige Fuchs
nicht hineinkomme.
Eines Nachts kam nun wirklich der Fuchs und schlich um den neuen Hühnerstall
herum, den Duft der drei Hennen in der Nase. Da er aber nicht in den Stall
hinein konnte versuchte er es mit einer List. Er sprach also zu den drei
Hennen:
"Macht auf, ihr lieben Hühner, ich habe guten Kukuruz. Den
will ich euch schenken, damit ihr auch einmal etwas Besseres zu fressen
bekommt als das tägliche Gritt."
Die schwarze und die weiße Henne riefen erschrocken, dass sie niemals
aufmachen würden, denn sie wüssten, wie hinterlistig er, der
Fuchs, sei. Die braune Henne aber antwortete dem schlauen Fuchs:
"Ich mach auf, ich will den Kukuruz haben. Mir hängt der
tägliche Kartoffelsterz schon zum Hals heraus. Macht
ihr, was ihr wollt!"
Sprachs und machte, obwohl die beiden anderen Hennen jammerten und
abrieten, die Stalltür einen Spalt weit auf und streckte ihren Hals
lang hinaus, um nach dem Kukuruz zu sehen. In diesem Augenblick packte
der schlaue Fuchs zu und trug die unzufriedene, braune Henne mit sich fort
in seine Höhle.
Und so geht es allen unfolgsamen Kindern, die unzufrieden und
neugierig sind.
Der Messstein
Am Fuß der Wildwiese, in der Nähe des Bauerngehöftes vlg Küahberger, bereits auf dem Gemeindegebiet von Strallegg, liegt mitten
im Wald ein etwa tischgroßer Stein, der von der Bevölkerung "Messstein"
genannt wird. Nach der mündlichen Überlieferung hatte der Stein
in der Pestzeit eine besondere Bedeutung. In den Stein eingemeißelt sind
eine menschliche Gestalt und eine Monstranz, so zumindest die Deutung Einheimischer.
Hobbyhistoriker datieren den Stein aber in die Zeit der Kelten, wo er als
Kultstein gedient haben soll .Von diesem Stein wird nun folgendes erzählt:
Als in Miesenbach und Strallegg die Pest wütete, hauste in der
Gegend des Kohlweges in einer Klause ein Priester als Einsiedler. Dieser
machte von hier aus seine Versehgänge zu den Pestkranken. Die Menschen,
die nach der furchtbaren Ernte des "Schwarzen Todes" am Leben geblieben
waren, suchten ihre letzte Zuflucht beim Einsiedler in der Klause. Der
Priester las hier täglich auf dem Stein die Hl. Messe, der die überlebenden
Pfarrbewohner in schuldiger Dankbarkeit beiwohnten. In dieser Zeit soll
der Stein seine merkwürdige Zeichnung erhalten haben (Bildstein).
Wenn auch heute von der Klause nichts mehr zu sehen ist, so kann doch der
Stein, für jedermann leicht zugänglich, als Zeuge aus der Pestzeit,
besichtigt werden.
Anmelder der Pest war ein Geist in Miesenbach in des "Stephl in
Weeg Gasthaysel." Dieser habe Steine auf jeden geworfen und wurde er
beschworen, habe er nicht geantwortet, bis in Strallegg eine Messe durch
ein Vierteljahr beim Altar "Beatae Virginis Immaculatae"
gehalten worden sei. So musste es bis zum Fest der Unbefleckten Empfängnis
bleiben. Doch habe der Geist auch im Pfarrhaus die Glocke im Schlafzimmer
geschlagen und Steine geworfen, um nach einer Messe auf dem erwähnten
Altar aufzuhören.
Pestkreuze erhalten das Andenken an die schwere Zeit. Das bekannteste
ist wohl das "Spielhofer Kreuz." Es wird erzählt, dass es dort
"oaniweigelt",
sodass sich die Kinder fürchten, bei Dunkelheit dort vorüberzugehen.
Mitternachts, während oder nach der Christmette würden Vorübergehende
vom Teufel mit Feuerkugeln aufgehalten, auch wer mit Ross und Wagen fahre.
Wer aber dreimal ums Kreuz fahre, der kriege vom Ganggerl einen Geldbeutel.
Zwei Gendarmen, die das Kreuz einmal bewachten, sollen trotz Sträubens
erst in der Früh aufgewacht sein.
Der Tote Mann
An der Wegkreuzung Strallegg, Vorau, Ratten, Miesenbach, auf der alten
Römerstrasse, steht eine kleine Kapelle. Der Ort nennt sich "Der
Tote Mann." Unter dieser Kapelle, so erzählt man, soll ein
Büßer liegen. Dieser wollte vor Zeiten mit seiner Frau, von Ungarn
aus auf den Knien eine Wallfahrt nach Mariazell machen. Aber auf dem Weg
wurde der Mann krank und hauchte in dieser Gegend sein Leben aus. Er wurde
von mitleidigen Bauern begraben. Sie errichteten später die kleine
Kapelle über dem Grab des Pilgers. Dort kann man in der Nacht vom
5. auf den 6. Jänner mit dem Teufel sprechen, wenn man dessen Namen
dreimal ausruft. Das Weib des verstorbenen Büßers wanderte nach einigen
Wochen weiter in Richtung Mariazell. Es erlag aber ebenfalls den gewaltigen
Strapazen und starb im Mürztal, nahe dem heutigen Orte Frein. Darum
heißt eine Gegend dort auch "Totes Weib." |